John Lomax und sein Sohn Alan begannen in den 30er Jahren in vielen Teilen der Welt Folk-Musik aufzunehmen, so auch in den Südstaaten der USA, in denen sie die Ursprünge von Country und Blues suchten. Da die Welt sich seit dem Ende des Bürgerkriegs sehr verändert hatte, war im Alltag kaum noch etwas von 'Field-Hollers' und 'Worksongs' zu finden.

 

Fündig wurden die beiden in den Gefängnissen der Südstaaten, besonders im Mississippi State Penitantiary, genannt Parchman Farm. Dort waren schon Bukka White und Son House interniert und der Parchman Farm Blues war dort entstanden. In diesen Gefängnissen mussten die Gefangenen Feldarbeit leisten unter ähnlichen Umständen wie früher die Sklaven. Alte musikalische Strukturen waren den Gefangenen noch geläufig und konnten von Lomax aufgenommen werden.

Das Louisiana State Penitantiary wurde auch ANGOLA genannt, weil es direkt am Mississippi auf dem Terrain einer ehemaligen Sklaven-Plantage lag (und noch liegt), die Sklaven stammten ursprünglich aus Angola.

1933 hat Lomax hier bei Tonaufnahmen William Leadbetter entdeckt. Er wurde sein Schützling und ging mit dem Namen 'Leadbelly' nach seiner Entlassung nach New York, wo er viele Konzerte gab und als typischer Vertreter des Delta-Blues bekannt wurde. Dabei war er in Mississpi und Louisiana völlig unbekannt.

 

 

Ed Young, Lonnie Young Jr. And Lonnie Young Sr. – Jim And John

Como, Mississippi 1959

wie der Blues nach Europa kam ...
und dann zurück in die USA

Klar, der Blues entstand in den Südstaaten der USA, über Chicago und New York wurde er in den ganzen USA bekannt Er blieb aber die Musik der Schwarzen, die - wie Billie Holiday - auch auf ihren Tourneen diskriminiert wurden, wenn sie z. B. nicht den Haupteingang oder den Aufzug der Weißen benutzten durften. In den Jazzbands mischten sich oft die Hautfarben der Musiker, aber der 'alte' Blues  galt als überholt und wurde nur als Vorläufer des Jazz betrachtet.

Dies änderte sich, als J-E Behrendt, später deutscher 'Jazz-Papst', um 1960 herum begann sich mit dem Blues zu beschäftigen und Kontakte in die USA zu knüpfen. Dies führte zu den 'American Folk Blues Festivals', die seit 1962 in mehreren europäischen Ländern liefen. Memphis Slim, Muddy Waters, J. B. Lenoir und viele andere Bluessänger traten auf und beeindruckten besonders englische Musiker so sehr, dass diese auch begannen Blues zu spielen. Alexis Korner und John Mayall wurden zu Vertretern des 'weißen Blues' und motivierten damit wiederum Andere, nicht zuletzt die späteren Rolling Stones, Blues zu spielen.
Die Vertreter des weißen Blues wurden wiederum in den USA bekannt. Sehr verwundert waren sie, als sie bei Konzerten in den USA feststellen mussten, dass die schwarzen Bluessänger dort kaum bekannt waren. ' But you got them all here...".